Illustration zu Stringing beim 3D-Druck: Fäden zwischen zwei Testtürmen im Drucker, daneben Filamentspule und Silica Gel

Stringing beim 3D-Druck: Ursachen und Lösungen

Stringing bedeutet, dass beim 3D-Druck feine Kunststofffäden zwischen zwei Stellen deines Modells hängen bleiben. Das passiert, wenn während einer Leerfahrt geschmolzenes Filament aus der Düse nachläuft. Die drei häufigsten Ursachen sind feuchtes Filament, eine zu hohe Düsentemperatur und unpassende Retraction-Einstellungen. Eine im September 2026 veröffentlichte Studie in der Fachzeitschrift Progress in Additive Manufacturing bestätigt, dass Stringing von mehreren gekoppelten Parametern abhängt: Düsentemperatur, Druckgeschwindigkeit, Retraction-Distanz und Retraction-Geschwindigkeit. Wer an allen Stellschrauben gleichzeitig dreht, findet die Ursache deshalb selten. In diesem Ratgeber gehst du Schritt für Schritt vor. Zuerst prüfst du das Filament auf Feuchtigkeit, dann die Temperatur und danach die Retraction. Dazu bekommst du eine Checkliste, eine Übersicht, welche Materialien besonders anfällig sind, und unsere Erfahrungswerte aus dem Druckalltag beim Filamentkontor. Die Tipps gelten für alle gängigen FDM-Drucker im Hobbybereich, egal ob mit Direct-Drive- oder Bowden-Extruder.

Was ist Stringing beim 3D-Druck und warum entsteht es?

Stringing entsteht immer während einer Leerfahrt. Der Druckkopf bewegt sich von einem Bereich des Modells zum nächsten, ohne zu drucken. Im Hotend steht das Filament aber weiter unter Druck und ist flüssig. Tritt in dieser Zeit Material aus der Düse aus, zieht der Druckkopf einen dünnen Faden hinter sich her. Druckerhersteller nennen als Hauptursachen zu hohe Drucktemperaturen und falsche Retraction-Werte. Retraction heißt: Der Extruder zieht das Filament vor jeder Leerfahrt ein kleines Stück zurück und baut so den Druck in der Düse ab. Ein weiterer Punkt wird oft übersehen. Druckst du lange mit demselben Material, etwa PETG, kann sich ein dünner Film an der Düse bilden. Fäden bleiben daran hängen und landen auf dem Modell. Eine saubere Düse gehört deshalb zur Grundprüfung. Feine Härchen, die du nach dem Druck kurz mit Heißluft entfernst, sind unkritisch. Dicke Fäden, Spinnweben zwischen Türmen oder Fäden in Bohrungen zeigen dagegen ein Einstellungs- oder Materialproblem.

Wie erkennst du, ob feuchtes Filament die Ursache ist?

Feuchtigkeit ist die erste Stelle, die du prüfen solltest. Das gilt vor allem, wenn eine Spule anfangs sauber gedruckt hat und plötzlich Fäden zieht. Typische Anzeichen sind Knack- oder Zischgeräusche an der Düse, kleine Blasen im extrudierten Strang und eine raue Oberfläche. Eine im November 2025 in der Fachzeitschrift Polymers veröffentlichte Studie hat sechs gängige Druckmaterialien bei 15, 45 und 95 Prozent relativer Luftfeuchte gelagert. Das Ergebnis: Nylon nahm am meisten Wasser auf, danach folgte PETG. PLA und ABS lagen etwa gleichauf, TPU und PEEK nahmen am wenigsten auf. Der größte Teil der Aufnahme passierte in den ersten 12 Stunden. Bei den Probekörpern aus PETG und TPU dokumentierten die Forschenden ausgeprägtes Stringing. Für dich heißt das: Eine offene PETG-Spule kann schon nach einer Nacht in feuchter Luft Probleme machen. Trockne das Filament deshalb, bevor du am Slicer-Profil drehst. Wie du Spulen richtig lagerst, liest du in unserem Ratgeber Filament richtig lagern.

Welche Filamente neigen am stärksten zu Stringing?

Die folgende Übersicht kombiniert die Rangfolge der Feuchteaufnahme aus der Polymers-Studie mit den Hinweisen der Hersteller. Sie zeigt dir, wo du zuerst ansetzen solltest.

Material Feuchteaufnahme laut Studie (2025) Worauf du achten solltest Beim Filamentkontor
Nylon (PA) am höchsten vor jedem Druck trocknen, aus der Trockenbox drucken Polymaker Fiberon PA612-CF15
PETG hoch bei neuem Stringing zuerst trocknen, High-Flow-Varianten reagieren laut Herstellerangaben stärker auf Feuchtigkeit Professional Lab PETG, Bambu Lab PETG HF, Smart Print PETG, Bambu Lab PETG Basic
PLA mittel meist unkritisch, bei Stringing zuerst Temperatur prüfen Bambu Lab PLA Basic, Smart Print PLA+, Polymaker Panchroma PLA Matt
ABS / ASA mittel (ABS) Temperatur und Leerfahrten zuerst prüfen ASA-Filamente
TPU gering nimmt wenig Wasser auf, zieht in der Studie trotzdem deutliche Fäden, langsam drucken und Retraction vorsichtig testen Professional Lab TPU 95A

Die ASA-Zeile basiert auf dem ABS-Wert, da ASA in der Studie nicht untersucht wurde. Für TPU findest du weitere Hinweise im Ratgeber TPU-Filament ohne Verstopfung drucken.

Welche Düsentemperatur verhindert das Fädenziehen?

Die Düsentemperatur ist nach der Feuchtigkeit der wichtigste Hebel. Je heißer das Filament, desto dünnflüssiger wird es und desto leichter läuft es während der Leerfahrt nach. Mehr Retraction gleicht eine zu hohe Temperatur nur begrenzt aus. Der zuverlässigste Weg zum passenden Wert ist ein Temperaturturm. Das ist ein Testmodell, bei dem der Slicer die Temperatur in festen Höhenabschnitten ändert, meist in Schritten von 5 °C. Starte am oberen Ende des Temperaturbereichs, den der Hersteller auf Etikett oder Datenblatt angibt, und arbeite dich bis zum unteren Ende vor. Wähle dann den Abschnitt mit der niedrigsten Temperatur, der noch gute Schichthaftung und keine Unterextrusion zeigt. Diesen Wert speicherst du als Profil für genau dieses Filament. Eine andere Charge oder ein anderer Hersteller kann einen anderen Wert brauchen. Druckst du schnell, etwa mit High-Flow-Filamenten wie dem Bambu Lab PETG HF, liegt die Temperatur oft höher. Trockenes Material ist dann besonders wichtig. Mehr dazu liest du im Ratgeber Temperaturprofil richtig einstellen.

Welche Retraction-Einstellungen helfen gegen Stringing?

Retraction ist die zweite große Stellschraube. Die passenden Werte hängen stark von deinem Extruder ab. Ein Direct-Drive-Extruder sitzt direkt über dem Hotend und braucht nur kurze Wege. Bei einem Bowden-Extruder läuft das Filament durch einen Schlauch, deshalb sind längere Wege nötig. Nimm immer das Herstellerprofil deines Druckers als Startpunkt und ändere pro Testdruck nur einen Wert.

Einstellung Was sie bewirkt So gehst du vor
Retraction-Distanz baut den Druck in der Düse vor der Leerfahrt ab Direct Drive: laut Herstellerangaben eines Druckerherstellers höchstens 2 mm, flexible Filamente ausgenommen. Bowden: Profilwert des Druckerherstellers als Start. In kleinen Schritten ändern.
Retraction-Geschwindigkeit bestimmt, wie schnell das Filament zurückgezogen wird höhere Werte reduzieren Fäden, zu hohe Werte lassen den Extrudermotor Schritte verlieren
Minimale Leerfahrt für Retraction legt fest, ab welcher Strecke zurückgezogen wird ein niedriger Wert löst öfter eine Retraction aus und reduziert Fäden, ein hoher Wert spart Zeit, erhöht aber das Nachlaufen
Retraction bei Schichtwechsel zieht auch beim Wechsel in die nächste Schicht zurück aktivieren
Leerfahrt-Geschwindigkeit verkürzt die Zeit, in der Material nachlaufen kann so hoch einstellen, wie dein Drucker sauber fährt
Wischen (Wipe) streift die Düse vor der Leerfahrt am Modell ab im Slicer aktivieren und Ergebnis vergleichen

Zu viel Retraction schadet. Ziehst du das Filament zu weit zurück, kann geschmolzenes Material in die kalte Zone des Hotends gelangen und dort eine Verstopfung auslösen. Zieht dein Drucker trotz hoher Retraction noch Fäden, senke zuerst die Temperatur.

Was sagt die aktuelle Forschung zu Stringing?

Die Forschung beschäftigt sich zunehmend mit der automatischen Erkennung von Stringing. Im September 2026 hat ein Team der Civil Aviation University of China in der Fachzeitschrift Progress in Additive Manufacturing ein kamerabasiertes System vorgestellt. Eine Kamera beobachtet den Bereich um die Düse. Ein neuronales Netz bewertet das Bild zusammen mit den aktuellen Druckparametern. Grundlage ist ein Datensatz mit 166.552 Aufnahmen. Das System erkannte im Schnitt zu 84,5 Prozent korrekt, welcher der vier Parameter falsch eingestellt war. Im laufenden Druck korrigierte es gezielt erzeugte Fehleinstellungen und rettete 86,7 Prozent der betroffenen Drucke, über mehrere Materialien hinweg. Für deinen Alltag ist eine Erkenntnis wichtig: Temperatur, Druckgeschwindigkeit, Retraction-Distanz und Retraction-Geschwindigkeit beeinflussen sich gegenseitig. Eine Versuchsreihe aus dem Jahr 2024 an einem Ender-3-Drucker mit PLA kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Retraction-Geschwindigkeit im Vergleich zu Temperatur und Distanz nur geringen Einfluss hatte. Ändere deshalb immer nur einen Wert pro Testdruck und beginne mit Temperatur und Distanz.

Welche Erfahrungen haben wir beim Filamentkontor mit PETG gemacht?

Mit dem Professional Lab PETG haben wir durchgehend gute Erfahrungen gemacht. Im eigenen Drucktest lieferte es eine glatte Oberfläche, haftete gut auf dem Druckbett und ließ sich schnell drucken. Den ausführlichen Testbericht findest du unter Professional Lab PETG: Unsere Erfahrungen aus dem Drucktest.

Wie behebst du Stringing Schritt für Schritt?

Arbeite die Punkte in dieser Reihenfolge ab. So findest du die Ursache mit möglichst wenigen Testdrucken.

  1. Filament trocknen und trocken lagern. Luftdichte Boxen mit Silica Gel mit Farbindikator halten die Spule trocken. Wann sich ein Trockner lohnt, liest du im Ratgeber Filament-Trockner.
  2. Düse reinigen und prüfen. Entferne Materialreste von außen. Ist die Düse verschlissen, tausche sie, zum Beispiel mit dem Bambu Lab Hotend für die A2L- und A1-Serie.
  3. Temperaturturm drucken und die niedrigste saubere Temperatur übernehmen.
  4. Retraction-Distanz in kleinen Schritten testen, immer nur einen Wert pro Druck ändern.
  5. Leerfahrten anpassen: Geschwindigkeit erhöhen, Wischen und Retraction bei Schichtwechsel aktivieren.
  6. Kleine Reste nach dem Druck kurz mit Heißluft entfernen.

Häufige Fragen zu Stringing

Schadet Stringing der Festigkeit meines Bauteils?

Die Fäden selbst sind meist nur ein optisches Problem. Ist feuchtes Filament die Ursache, sieht das anders aus. Die Polymers-Studie aus 2025 zeigt, dass die Luftfeuchte bei der Lagerung die mechanischen Eigenschaften gedruckter Teile verändert. Trockne das Filament deshalb auch aus Stabilitätsgründen.

Warum zieht PETG mehr Fäden als PLA?

PETG nimmt laut Studie deutlich mehr Feuchtigkeit auf als PLA und wird bei höheren Temperaturen gedruckt. Beides fördert das Nachlaufen während der Leerfahrt. Mit trockenem Material und einem Temperaturturm bekommst du PETG trotzdem sauber gedruckt. Weitere Tipps findest du im Ratgeber PETG-Filament richtig wählen und drucken.

Hilft mehr Retraction immer gegen Fäden?

Nein. Zu viel Retraction kann geschmolzenes Material in die kalte Zone des Hotends ziehen und eine Verstopfung auslösen. Bei Direct-Drive-Druckern nennen Druckerhersteller 2 mm als Obergrenze. Senke bei anhaltendem Stringing zuerst die Temperatur.

Wie lange muss ich Filament trocknen?

Das hängt vom Material und vom Hersteller ab. Nutze die Trocknungstemperatur und -zeit aus dem Datenblatt deines Filaments. Eine Übersicht zu Trocknern und Trockenboxen findest du in unserem Ratgeber Filamenttrockner oder Trockenbox.

Wie entferne ich Fäden nach dem Druck?

Feine Fäden entfernst du mit kurzem Einsatz eines Heißluftföhns. Halte ihn in Bewegung, damit sich das Modell nicht verformt. Dickere Fäden schneidest du mit einem Seitenschneider oder Cuttermesser ab.

Quellen

  • Studie zur Online-Erkennung und Korrektur von Stringing in der Fachzeitschrift Progress in Additive Manufacturing, veröffentlicht am 08.09.2026
  • Studie zum Einfluss der Luftfeuchte auf sechs FFF-Kunststoffe in der Fachzeitschrift Polymers, veröffentlicht am 03.11.2025
  • Experimentelle Analyse des Stringing-Problems an FDM-Druckern, veröffentlicht 2024
  • Angaben gemäß Herstellerangaben von Drucker- und Filamentherstellern, Stand September 2026
  • Eigener Drucktest Professional Lab PETG, Filamentkontor, August 2026

Autor: Sebastian Nickels, Mitgründer des Filamentkontors in Hamburg. Er verantwortet die Technik im Shop und testet Filamente selbst im Druckalltag, bevor sie ins Sortiment kommen.

Veröffentlicht am 22.09.2026. Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026.

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